Machen Kohlenhydrate empfindlich?


23.07.2018
Nahrung steuert Verhalten

 Ein ausgewogenes Frühstück ist der beste Start in den Tag.
Miriam Knauer
Was Kohlenhydrate mit sozialen Entscheidungen zu tun haben, zeigte eine Untersuchung der Universität zu Lübeck: Die Teilnehmer einer Studie reagierten nach einem kohlenhydratreichen Frühstück sensibler auf Ungerechtigkeit. Frühstücken im Namen der Wissenschaft Der Körper nutzt Kohlenhydrate und Proteine zur Energiegewinnung und als Baustoffe. Außerdem regulieren sie im Gehirn, welche Botenstoffe verfügbar sind und bestimmen damit das Verhalten. Lübecker Ärzte und Psychologen untersuchten, wie sich die Zusammensetzung des Frühstücks auf das Verhalten bei sozialen Entscheidungen auswirkt. Das erste Frühstück der 24 Probanden bestand zu 80 Prozent aus Kohlenhydraten mit einem Protein- und Fettanteil von je 10 Prozent. Das Frühstück am zweiten Tag bestand bei gleicher Kalorienmenge zur Hälfte aus Kohlenhydraten, der Protein- und Fettanteil betrug jeweils 25 Prozent. Drei Stunden nach der Mahlzeit folgten Blutuntersuchungen und psychologische Tests zur Bewertung des Verhaltens. Je mehr Kohlenhydrate umso sensibler In einem der Tests, dem sogenannten Ultimatum Game, musste der Proband entscheiden, ob er das Angebot eines virtuellen Gegenspielers als fair empfindet und annimmt oder als unfair ablehnt. Prof. Sebastian Schmid fasst als Mitautor der Studie das Ergebnis zusammen: „Nach einem Frühstück mit hohem Kohlenhydratanteil waren die Probanden sehr viel empfindlicher gegenüber unfairen Angeboten als in der Versuchsbedingung mit einer ausgeglichenen Makronährstoffkomposition“. Ein höherer Kohlenhydratanteil war mit niedrigeren Mengen der Aminosäure Tyrosin im Blut verbunden. „Damit konnten wir verlässlich das Gerechtigkeitsverhalten der Probanden in statistischen Modellen vorhersagen“, erklärt Schmid. Von der Menge an Tyrosin kann auf die Konzentration des Überträgermoleküls Dopamin im Gehirn geschlossen werden. Für Prof. Matthias Weber, Mediensprecher der Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie, hat das Ergebnis der Untersuchung ganz alltagspraktische Aspekte: „Wenn wir ableiten können, dass ein extrem unausgewogenes Verhältnis von Kohlenhydraten zu Proteinen in einer Mahlzeit direkt das Verhalten beeinflusst, dann sollte dem Thema ?Ausgewogenheit der Nahrungszusammensetzung? mehr Gewicht beigemessen werden“. Quelle: Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)

Was schwere Beine leichter macht


21.07.2018
Hilfe bei Venenleiden

 Ein erfrischende Abkühlung bringt müde Beine wieder auf Trab.
Simone Lang
Die Venen und Muskeln in unseren Beinen leisten jeden Tag Schwerstarbeit: Viele tausend Liter Blut pumpen sie täglich in Richtung Herz zurück. Verständlich, dass unsere Beine mal ermüden. Betroffene wissen, was das bedeutet: Sie werden schwer und schwellen womöglich sogar an, meist gegen Abend. Welche Hilfsmittel Sie in Ihrer Apotheke erhalten und 10 Tipps, damit Sie gut durch den Tag kommen. Jucken, Kribbeln, Wadenkrämpfe: die ersten Warnsignale Ursachen für ein Venenleiden gibt es viele: Vielleicht gibt es in Ihrer Familie eine Veranlagung zur Bindegewebsschwäche. Auch ein paar Pfunde zu viel und Rauchen begünstigt die Entstehung von Venenleiden. Zu Beginn bemerken Sie ein Kribbeln in den Beinen, Sie spüren ein Spannungsgefühl in den Unterschenkeln, Ihre Knöchel schwellen an und nachts wachen Sie manchmal wegen eines Wadenkrampfes auf. Dies sind möglicherweise die ersten Zeichen für eine chronische Venenerkrankung. Tipp: Sie haben viele Möglichkeiten, selbst etwas gegen schwere Beine zu tun! Informieren Sie sich zum Beispiel auf den Seiten der Deutschen Venen-Liga über vorbeugende Übungen, die Sie am Arbeitsplatz oder in Ihrer Freizeit problemlos machen können. Nutzen Sie das Verzeichnis für Gefäßspezialisten, so genannte Phlebologen, oder tauschen Sie sich online mit anderen Betroffenen aus. Gar nicht wie zu Großmutters Zeiten: Stütz- und Kompressionsstrümpfe Damit sich aus einer leichten Venenschwäche gar nicht erst unschöne Krampfadern entwickeln, ist das Tragen von Stütz- und Kompressionsstrümpfen sinnvoll. Die lästigen Besenreißer bilden sich zwar nicht zurück, aber die Durchblutung in Ihren Beinen verbessert sich sofort. Stützstrümpfe erhalten Sie frei verkäuflich im Handel. Sie eignen sich vorrangig für venengesunde Menschen. Kompressionsstrümpfe gibt es in unterschiedlichen Kompressionsklassen. Medizinische Kompressionsstrümpfe sollten genau auf Ihre Bedürfnisse maßgeschneidert sein. Konsultieren Sie Ihren Arzt, er berät Sie über Ihre Möglichkeiten und kann Ihnen bei Bedarf ein Rezept ausstellen. Anders als früher haben Sie eine große Auswahl an Strumpflängen und -ausführungen; ob bis zum Knie oder hüftlang, ob hauchzart oder blickdicht – Ihnen steht eine Vielzahl von Modellen in trendigen Farben zur Verfügung. Tipp: Speziell für die Reisezeit gibt es kurze Kompressionsstrümpfe, mit denen Sie das lange Sitzen in Bus oder Flugzeug fast nicht bemerken. Erkundigen Sie sich in Ihrer Apotheke oder im Sanitätshandel. Wirkstoff und Massage: die Behandlung mit Salben und Cremes Schnelle Linderung bei geschwollenen Beinen verschaffen Ihnen kühlende Gele und Cremes mit abschwellenden und schmerzlindernden Wirkstoffen wie Heparin, Aescin aus der Rosskastanie oder einem Extrakt aus dem roten Weinlaub (zum Beispiel Vetren® Salbe, Reparil® Gel N, Antistax® Venencreme). Informieren Sie sich in ihrer Apotheke, welcher Wirkstoff für Sie in Frage kommt. Tipp: Kombinieren Sie ein abschwellendes Gel oder eine wohltuende Salbe mit Stütz- oder Kompressionsstrümpfen. Das Gewebe nimmt bei gründlicher Handwäsche der Strümpfe keinen Schaden. Hilfe aus der Natur: pflanzliche Arzneimittel Den Wasseransammlungen (Ödeme) im Bereich der Knöchel und Unterschenkel können Sie mit einer großen Palette an Wirkstoffen aus der Natur zu Leibe rücken: Tabletten mit einem Trockenextrakt aus Rosskastaniensamen wie zum Beispiel Venoplant® retard S, Aescusan® retard, Venentabs-ratiopharm® helfen bei Schwere- und Spannungsgefühl, Schmerzen und Wadenkrämpfen. Zubereitungen aus dem roten Weinlaub und den Wurzeln des Stechenden Mäusedorns regen die Blutzirkulation an und beugen Ödemen vor (zum Beispiel Antistax® extra Venentabletten, Phlebodril® Venenkapseln). Der gefäßabdichtende Inhaltsstoff Rutin ist in Buchweizenextrakten und den Knospen des Japanischen Perlschnurbaums enthalten und verhindert den Wasserdurchtritt ins Bindegewebe (zum Beispiel Troxerutin-ratiopharm® 300 mg Weichkapseln, Veno SL® 300 Hartkapseln). Hinweis: Für alle pflanzlichen Arzneimittel gilt: Sie müssen etwas Geduld mitbringen, da ein Behandlungserfolg erst nach einigen Wochen zu erwarten ist. Mit diesen 10 Tipps kommen Sie leichter durch den Tag: Quelle: Claudia Bruhn: Nichts versacken lassen, Deutsche Apotheker Zeitung, Seite 32, Ausgabe 22/2017 vom 01.06.2017.

Vorsicht bei Migräne


20.07.2018
Infarkte und Schlaganfälle drohen

 Menschen mit Migräne sprechen am besten mit ihrem Arzt über ihr Risiko, einen Schlaganfall oder Herzinfarkt zu erleiden.
Miriam Knauer
Migräne erhöht das Risiko für Schlaganfälle, Herzinfarkte und Thrombosen. Zu diesem Ergebnis kamen zwei umfangreiche Studien aus den USA und Dänemark. Besondere Aufmerksamkeit empfehlen Experten bei Migränepatienten mit Aura. Migräne ist weiblich Extrem starke, meist einseitige Kopfschmerzattacken mit Übelkeit und Erbrechen sind typische Symptome einer Migräne. In manchen Fällen wird die Erkrankung von einer sogenannten Aura begleitet. Hierbei treten vor einem Anfall charakteristische Anzeichen wie Sehstörungen oder Schwindel auf. Nach Zahlen der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) und der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) ist Migräne die häufigste neurologische Erkrankung in Deutschland: Etwa jede fünfte Frau und jeder zwölfte Mann leidet unter Migräne. Patienten mit Aura besonders gefährdet Amerikanische und dänische Wissenschaftler untersuchten in zwei aktuellen Studien den Zusammenhang zwischen Migräne und Gefäßkrankheiten. Sie werteten in der Summe Daten von etwa 450.000 Migränepatienten aus. Charly Gaul, Generalsekretär der DMKG, fasst die Ergebnisse zusammen: „Zwei große aktuelle Studien [–] zeigen, dass Migränepatienten etwas häufiger Herzinfarkte, Schlaganfälle und venöse Thrombosen erleiden“. Die Untersuchung aus den USA ermittelte bei Patienten mit Migräne ein um 23 Prozent höheres Herzinfarktrisiko, das Risiko für Schlaganfälle stieg um 41 Prozent. Die Sterblichkeit von Migränepatienten insgesamt war nicht höher als die der gesunden Kontrollgruppe ohne Migräne. In der amerikanischen Studie litt etwa jeder dritte Teilnehmer an einer Erkrankung mit Aura. Bei dieser Form der Migräne stieg das Risiko für einen Schlaganfall um 56 Prozent. Die Sterblichkeit war um 20 Prozent erhöht. Kein Grund zur Panik, doch Vorsicht ist geboten Wie diese Ergebnisse für Betroffene einzuordnen sind, erläutert Prof. Hans-Christoph Diener, Pressesprecher der DGN: „Von dem erhöhten Risiko sollten Patienten sich nicht verängstigen lassen, denn die absolute Zahl der Ereignisse ist relativ gering“. Bei der Betreuung von Migränepatienten erfordere jedoch eine Gruppe besondere Sorgfalt, betont Diener: „Frauen mit häufigen Migräneattacken mit Aura sollten nach ihren vaskulären Risikofaktoren befragt und diese dann konsequent behandelt werden.“ Quelle: DGN

Langes Arbeiten geht auf Gesundheit


19.07.2018
Häufiger Diabetes bei Frauen

 Ausgewogenheit zwischen Arbeits- und Privatleben hält Arbeitnehmer gesund.
Simone Lang
Liegt die wöchentliche Arbeitszeit bei 45 Stunden oder mehr, ist dies bei Frauen mit einem erhöhten Risiko für Diabetes verbunden. Das ergab eine Beobachtungsstudie von kanadischen Arbeitnehmern. Gesundheitsdaten von über 7.000 Arbeitnehmern ausgewertet Wissenschaftler vom Institut für Arbeit und Gesundheit in Toronto werteten die Gesundheitsdaten von 7.065 kanadischen Erwerbstätigen im Alter von 35–74 Jahren über eine Zeitspanne von 12 Jahren aus. Die Teilnehmer wurden entsprechend ihrer Arbeitszeit in 4 Gruppen eingeteilt: 15–34 Stunden, 35–40 Stunden, 41–44 Stunden und 45 oder mehr Stunden pro Woche. Zusätzlich berücksichtigten die Forscher mögliche Einflüsse wie Alter, Geschlecht, Familienstand, Elternschaft, Lebensstil, Arbeitsplatzbedingungen wie Schichtdienst sowie Body-Mass-Index bei der Auswertung. Arbeitsbelastung nur bei Frauen Risikofaktor Jeder 10. Teilnehmer entwickelte während des 12-jährigen Beobachtungszeitraums einen Diabetes Typ 2, wobei er bei älteren Arbeitnehmern, fettleibigen Personen und Männern häufiger auftrat. Im Gegensatz zu Männern hatte die wöchentliche Arbeitszeit bei Frauen einen Einfluss auf das Risiko, Diabetes zu entwickeln: Frauen mit einer Arbeitsbelastung von 45 oder mehr Stunden pro Woche besaßen mit 63 Prozent ein deutlich höheres Risiko wie Frauen mit geringerer Arbeitszeit. „Lange Arbeitszeiten könnten zu einer chronischen Stressreaktion im Körper führen, was das Risiko von hormonellen Störungen und Insulinresistenz erhöht“, vermuten die Forscher. Allerdings handele es sich bei ihrer Untersuchung um eine Beobachtungsstudie, so dass keine endgültigen Aussagen möglich seien. Quelle: Ärztezeitung


Kühlen Kopf bewahren


18.07.2018
Hitze schlecht fürs Denken

 Ein erholsamer Nachtschlaf bei kühlen Temperaturen fördert die Leistungsfähigkeit.
Simone Lang
Eine amerikanische Studie untersuchte das Denkvermögen von Studenten während einer Hitzeperiode in Boston. Kühlere Temperaturen in der Nacht garantierten bessere Testergebnisse. Mehr Leistungsfähigkeit mit Klimaanlage An der Untersuchung der Harvard Chan-Akademie für Umweltmedizin in Boston nahmen 44 gesunde Studenten für insgesamt 12 Tage teil. Die jungen Probanden lebten entweder in einem klimatisierten Studentenwohnheim mit einer Durchschnittstemperatur von 21,4 Grad Celsius (Spannweite von 17,5 bis 25 Grad Celsius) oder in einem Gebäude ohne Kühlung. Hier lag die durchschnittliche Temperatur bei 26,3 Grad Celsius mit einer Spanne von 19,6 bis 30,4 Grad Celsius. Sofort nach dem Aufwachen am Morgen nahmen die Studenten über ihre Smartphones an einem einfachen Wörter- und Rechentest teil. Weitere Faktoren wie Lärmbelastung, Schlaf- und Trinkgewohnheiten berücksichtigten die Umweltmediziner bei der Studienauswertung. Während einer Hitzeperiode, die auf 5 Tage sommerliche Normaltemperaturen folgte, sank die Leistungsfähigkeit der Studenten ohne Klimaanlage deutlich: Sie benötigten über 13 Prozent länger als ihre Kommilitonen, die Farbe von Wörtern richtig zu erkennen. Ein ähnliches Resultat ergab der Rechentest. Hitzewellen betreffen Jung und Alt „Die meiste Forschung zu Auswirkungen von Hitze auf die Gesundheit wurde bisher an Risikogruppen, etwa Älteren, gemacht. So entstand der Eindruck, dass die Allgemeinbevölkerung durch Hitzewellen nicht beeinträchtigt wird“, erläutert Mitautor Jose Guillermo Cedeno Laurent das Ziel der Untersuchung. Alexandra Schneider, Epidemiologin vom Helmholtz Zentrum in München, ist der Meinung, dass die Ergebnisse der Studie auf Deutschland durchaus übertragbar sind. Dass man bei hohen Temperaturen und vor allem nach durch Hitze beeinträchtigtem Nachtschlaf nicht so leistungsfähig ist, findet sie nicht überraschend. „Auch für andere gesundheitliche Folgen großer Hitze ist die fehlende nächtliche Abkühlung des Körpers der springende Punkt.“ Damit man auch bei großer Hitze im Alltag leistungsfähig bleibt, empfehlen Experten, ausreichend zu trinken und arbeitsintensive Phasen möglichst in kühlere Zeiträume zu verlegen. Quelle: Ärztezeitung

Multiple-Sklerose-Risiko


17.07.2018
Rauch und Chemikalien unter Verdacht

 Ein möglicher Faktor für die Erkrankung an Multipler Sklerose ist Zigarettenrauch.
Miriam Knauer
Wer als junger Mensch raucht und beruflich mit Lösungsmitteln in Kontakt kommt, erkrankt deutlich häufiger an Multipler Sklerose. Zu diesem Ergebnis kam eine aktuelle Untersuchung aus Schweden. Neue Gefahren identifiziert Multiple Sklerose – kurz als MS bezeichnet – ist eine chronische Erkrankung des zentralen Nervensystems. Bei den meisten Betroffenen wird sie im jungen Erwachsenenalter diagnostiziert. Die Ursachen der Krankheit sind nicht vollständig geklärt. Das Risiko, an MS zu erkranken, steigt für Träger des Gens HLA-DRB1*15 sowie durch bestimmte Umweltfaktoren wie zum Beispiel eine Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus. Die Wissenschaftlerin Anna Karin Hedström vom Karolinska-Institut bei Stockholm wies 2014 für Raucher ein deutlich höheres Erkrankungsrisiko nach: Aktive Raucher mit genetischer Veranlagung hatten ein fast 5-fach größeres Risiko, an MS zu erkranken als Nichtraucher. Bei Passivrauchern mit Risikogen erhöhte sich die Häufigkeit um etwa den Faktor 8. Aktuelle Ergebnisse aus dem Jahr 2018 zeigten ein gesteigertes MS-Erkrankungsrisiko für Raucher, die in frühen Berufsjahren mit Lösungsmitteln arbeiteten. Bei den Teilnehmern der Untersuchung wurde die Diagnose MS durchschnittlich im Alter von 34 Jahren gestellt. Hedström ermittelte ein 5-fach höheres Risiko einer MS-Erkrankung für Raucher, die Lösungsmitteln ausgesetzt waren, zum Beispiel als Maler oder Lackierer. War neben Rauch und Lösungsmitteln zusätzlich die genetische Veranlagung vorhanden, stieg das Risiko auf das 30-fache an. Mechanismus für Untergang von Nervenzellen noch unklar Auf welchen Wegen Zigarettenrauch und Lösungsmittel die neurologische Erkrankung MS verursachen, ist derzeit Gegenstand weiterer experimenteller Forschung. Beide Einflussfaktoren schädigen die Lunge. Hedström vermutet, dass dabei eine fehlgeleitete Immunreaktion stattfindet, die Nervenzellen im Gehirn zerstört. Quelle: Ärzteblatt

Resistente Darmbakterien


16.07.2018
Gefährliches Reise-Souvenir

 Eine Infektion mit antibiotikaresistenten Keimen kann zu Durchfall und Bauchkrämpfen führen.
Simone Lang
Ärzte warnen vor antibiotikaresistenten Darmkeimen, die von Fernreisenden importiert werden. Antibiotika wie Penicillin und Cephalosporin verlieren bei diesen Bakterien ihre Wirksamkeit. Penicillinpräparate wirkungslos Touristen aus Asien oder dem Nahen Osten sind bei ihrer Rückkehr unter Umständen Träger von bestimmten Darmbakterien, die nicht auf die Behandlung mit Antibiotika wie Penicillin und Cephalosporin ansprechen. Diese Enterobakterien bilden ein Eiweiß, die Betalaktamase, mit dessen Hilfe sie Betalaktam-Antibiotika abbauen und unwirksam machen. Sie werden auch als ESBL-Keime bezeichnet (ESBL für Extended-Spectrum-Betalaktamase). Betalaktam-Antibiotika werden in Europa zur Behandlung von Infektionen mit dem Bakterium Escherichia coli eingesetzt. „Speziell Fernreisen in Regionen mit hohen Zahlen ESBL-Trägern sind risikobehaftet“, erklärt Prof. Andreas Stallmach vom Universitätsklinikum Jena. Führend sei dabei Südostasien mit über 1 Milliarde ESBL-Trägern, gefolgt von den westpazifischen Staaten, dem Vorderen Orient und Afrika mit insgesamt 110 Millionen Betroffenen. Import durch Fernreisende Besonders unter einfachen hygienischen Bedingungen und bei eingeschränktem Zugang zu sauberem Trinkwasser verbreiten sich die ESBL-Keime. Rucksacktouristen sind häufig von einer Besiedelung mit ESBL-Bakterien betroffen. Auch nach ihrer Rückkehr aus dem Urlaub sind die Keime noch viele Monate im Darm nachweisbar und stellen eine Gefahr für immunschwache und kranke Personen dar. Zusätzlich verändern die Keime mit dem ESBL-Resistenzgen die Zusammensetzung der mikrobiellen Darmgemeinschaft, dem so genannten Mikrobiom. Das Mikrobiom beeinflusst die Ausbildung von Darm- und Lebererkrankungen sowie nachweislich die Neigung zu Fettleibigkeit und Diabetes. Quelle: Ärztezeitung

Amputationen bei Diabetikern


13.07.2018
Zu oft und zu schnell

 Gesunde Füße sind besonders bei Diabetikern wichtig.
Simone Lang
Viele der jährlich etwa 50.000 Fußamputationen bei Patienten mit Diabetes sind nach Einschätzung von Experten vermeidbar. Teamarbeit zwischen den Ärzten und spezialisierte Kliniken verringern das Amputationsrisiko. Weniger Amputationen in spezialisierten Einrichtungen Oft beginnen die Probleme bei Diabetikern mit einer kleinen Verletzung am Fuß oder zu engen Schuhen. Ralf Lobmann vom Klinikum Stuttgart und Vorstandsmitglied der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) erläutert: „Durch ihre Krankheit nehmen viele Diabetiker alles unterhalb des Knies nicht mehr aktiv wahr – auch keine Schmerzen. Zudem ist bei Diabetes das Immunsystem beeinträchtigt und so heilen Wunden schlechter.“ Ein Patient, der in ein Regelversorgungskrankenhaus komme, hat laut Lobmann ein Risiko von 10 bis 20 Prozent für eine Amputation. Durch regelmäßige Kontrollen, ein engmaschiges Therapienetz und vor allem gute Zusammenarbeit mehrerer Experten [–] im Krankenhaus könne das Risiko für eine Amputation von 10 auf 3 Prozent gesenkt werden, führt Lobmann weiter aus. Er bezieht sich auf so genannte Majoramputationen, bei denen das Bein bis kurz unterhalb des Knies abgenommen wird. Hinzu kommt noch eine große Zahl kleinerer Amputationen von zum Beispiel einzelnen Zehen. „In einer zertifizierten Einrichtung der DDG liegt die Amputationsrate bei Majoramputation bei 3,1 Prozent. Das können wir anhand von über 30.000 Patientenfällen nachweisen“, fasst Lobmann zusammen. Zeit für eine zweite Meinung vor Amputation Auch, wenn die Zahl der Amputationen leicht gesunken sei, ist Lobmann der Meinung: „Es sind immer noch zu viele.“ In diesem Zusammenhang sieht er eher kritisch, dass die Vergütungen für die meist langwierige, konventionelle Behandlung gekürzt und die für Amputationen erhöht wurde. Die DDG sieht die Notwendigkeit einer ärztlichen Zweitmeinung vor Amputationen. Lobmann betont: „Die meisten Amputationen sind planbar. Da ist es nicht entscheidend, ob sie nach 24 oder 48 Stunden stattfinden.“ Quelle: Berufsverband Deutscher Internisten e. V.

Orangensaft gut gegen Gicht


12.07.2018
Zu Unrecht als Dickmacher verurteilt

 Lecker und gut für den Harnsäurespiegel: Orangensaft.
Simone Lang
Forscher aus Kiel und Hohenheim untersuchten den Effekt von Orangensaft auf das Gichtrisiko und das Körpergewicht. Orangensaft reduziert den Harnsäurespiegel und macht nicht dick, wenn er zu den Mahlzeiten getrunken wird. Orangensaft gewinnt gegen Cola: Harnsäurespiegel sinkt In einem ersten Schritt untersuchten die Wissenschaftler an 26 Teilnehmern, wie Orangensaft im Vergleich zu koffeinfreier Cola den Harnsäurespiegel im Blut beeinflusst. Dazu tranken die Probanden täglich 1,2 Liter Orangensaft beziehungsweise einen Liter Cola, was jeweils 20 Prozent des Gesamtenergiebedarfs darstellte. Nach einer Auswaschphase wechselten die Teilnehmer in die andere Gruppe. „Auch bei diesem sehr hohen Konsum führte Orangensaft – im Unterschied zu Cola – zu keiner Beeinträchtigung des Glukosestoffwechsels und der Harnsäurespiegel wurde sogar signifikant gesenkt,“ resümiert der Ernährungsmediziner Prof. Bosy-Westphal. Harnsäure könne dadurch weniger in den Gelenken auskristallisieren und führe seltener zu einer Arthritis urica (Gicht). Hinter dem harnsäuresenkenden Effekt vermuten die Forscher Vitamin C oder auch die mit dem Saft aufgenommenen Pflanzenfarbstoffe (Flavonoide) als Ursache. Zeitpunkt entscheidend: Orangensaft zu den Mahlzeiten trinken In einem zweiten Versuch tranken die selben Teilnehmer entweder dreimal täglich zwei große Gläser Orangensaft (je 200 Milliliter) zu jeder Mahlzeit oder sie konsumierten 1,2 Liter Saft zwischen den Mahlzeiten. Die Wissenschaftler maßen im Anschluss den Blutzuckerspiegel, die Insulinausschüttung und den Körperfettanteil. „Wir konnten zeigen, dass auch dieser sehr hohe Konsum keine negativen Auswirkungen auf das Körpergewicht hatte, wenn der Saft nicht zwischendurch getrunken wurde“, hebt Bosy-Westphal hervor. Der Saft verringere in diesem Fall die Energieaufnahme mit den Mahlzeiten. Bei den Probanden, die den Saft zwischen den Mahlzeiten tranken, stellten die Untersucher einen leichten Anstieg des Körperfettanteils fest. Blutzuckerwerte und Insulinausschüttung blieben unverändert. Quelle: Ärztezeitung



Erwerbstätige: fit oder fertig?


11.07.2018
Jeder Zweite gibt vor der Rente auf

 Zunehmend seltener Anblick? Ältere Menschen am Arbeitsplatz.
Simone Lang
Der Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse (TK) bestätigt: Nur jeder zweite Erwerbstätige geht mit dem offiziellen Eintrittsalter in Rente. Gesundheitliche Einschränkungen betreffen hauptsächlich ältere Arbeitnehmer. Ältere Arbeitnehmer besonders stark belastet Mehr als jeder zweite Arbeitnehmer scheidet vor seinem gesetzlich festgelegten Renteneintrittsalter aus dem Berufsleben aus. „Besonders häufig von Frühverrentung betroffen sind Beschäftigte mit körperlich belastenden Berufen“, erläutert Thomas Grobe vom Göttinger Institut für Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen anlässlich der Vorstellung des Gesundheitsreports der TK für das Jahr 2017. Hauptgründe für das verfrühte Ausscheiden aus der Arbeitswelt sind Berufs- und Erwerbsunfähigkeit sowie Schwerbehinderung. Dabei nimmt jeder Dritte aus dieser Gruppe eine Kürzung der Rente in Kauf, um Stress und körperliche Belastungen früher hinter sich zu lassen. Eine Analyse der verschriebenen Arzneimittelmengen deutete ebenfalls auf hohe Belastungen besonders am Ende des beruflichen Lebens: Ältere Beschäftigte nahmen fast dreimal so viele Arzneimittel ein wie der Durchschnitt der Erwerbstätigen. Dabei machten Herz-Kreislauf-Medikamente den größten Anteil aus. Die Altersgruppe der 60- bis 64-Jährigen bekam hier das Vierfache der durchschnittlichen Arbeitnehmer verordnet. Gegen Ende des Berufslebens erhielten Arbeitnehmer auch häufiger Antidepressiva verschrieben wie ihre jüngeren Kollegen. Betriebe und Politik in die Pflicht nehmen „Das betriebliche Gesundheitsmanagement wird an Bedeutung gewinnen“, deutet der Chef der TK Jens Baas die zukünftige Entwicklung. Die Politik müsse die Kassen bei ihren Präventionsanstrengungen unterstützen. Es gebe Berufe, die nicht bis zum Alter von 67 ausgeübt werden könnten. „Diese Arbeitnehmer sollten früher aus dem Berufsleben ausscheiden können, ohne dafür Einbußen bei der Rente hinnehmen zu müssen“, fordert Baas. „Es nützt nichts, das Rentenalter immer weiter hochzuschrauben, wenn ohnehin jeder zweite Arbeitnehmer vorzeitig aufgeben muss. Wir müssen dafür sorgen, dass Menschen leistungsfähig bleiben und überhaupt bis zum Rentenbeginn arbeiten können.“ Quelle: Ärztezeitung Weitere Informationen zum aktuellen Gesundheitsreport der TK.